Wieso Functional Training nicht gleich Functional Training ist

Wieso Functional Training nicht gleich Functional Training ist

Das Dilemma geht schon los mit der Tatsache einen Text wie diesen überhaupt verfassen zu müssen. Einen einzelnen Grund dafür aus zu machen ist sicherlich nicht möglich, es ist eher ein Ergebnis aus mehreren, sich negativ aufschaukelnden, Gründen.  Ein negativer Faktor ist die Möglichkeit sich sehr einfach an die Öffentlichkeit wenden zu können und dafür auch noch ein Megafon an die Hand bekommt. Durch die Nutzung von diverser Sozialer Medien wird es möglich. Ein anderer ist der einfache Zugang zu den unterschiedlichsten “Sportabzeichen”. Die hürden sind nicht besonders hoch und so wundert es auch nicht, dass es so viele Pilates-, Yoga- etc. Lehrer gibt. Jeder macht einen Kurs und ist danach ein Trainer für Interessiert-mich-nicht. Es ist fast mit Kochkursen vergleichbar. Bei diesen stellt man sich für ein paar Stunden gemeinsam an den Herd, kocht ein paar Rezepte und geht dann wieder fröhlich nach Hause. Nur das nach einem Kochkurs keiner auf die Idee kommt sich als Küchenchef zu bewerben.

Mit funktionalem Training ist nicht gemeint sich auf einen Pezziball zu stellen und mit Kettlebell shouder presses zu machen. Für manche scheint es eine gute Idee zu sein sich mit seinem eigenen Körpergewicht und zusätzlich 10-15 kg Kettlebell pro Hand auf einen Gummiball zu stellen und Übungen zu machen. Wenn man aber mal darüber nachdenkt wie viel so ein Pezziball evtl. aushalten mag dann beginnt man  hoffentlich zu verstehen wie gefährlich und dumm diese Idee war!

Ich frag mich auch für welche Sportart man auf einem Wackelpad stehen muss. Dann Kniebeugen absolviert und dazu noch die Langhantel, die einem auf dem Rücken liegt, mit Heavybands am Boden befestigt?? Also entweder setze ich auf das, schon etwas veraltete, propriozeptive Training auf Wackelpads das oft in Physiotherapien absolviert wird um Sehnen, Bänder und die intermuskuläre Koordination zu schulen. Oder ich will einen schwere Übung für Hypertrophie oder Maximalkraft noch zusätzlich erschweren indem ich Heavybands benutze. Aber nicht beides auf einmal!! Hier trifft das Berühmte beispiel wieder zu indem man mit einem Porsche in der Innenstadt im Stau steht. Wenn man ihn nur zum Vorzeigen gekauft hat, dann erfüllt er völlig seinen Zweck und da sind wir beim Thema, die Zweckmäßigkeit. Was ist das Ziel?! Wo willst du hin und was macht Sinn zu mach oder eben nicht.

Auch ein Training mit der Agility leiter sollte kritisch hinterfragt werden, wenn das Trainingsziel eine schneller arbeitende Beinmuskulatur sein soll. Es sollte mittlerweile bekannt geworden sein, gerade unter “Fachpersonal”, das es so nicht funktioniert.

Ein Klassiker ist es Box Jumps zu machen um den Sportler an den Rand seiner anaeroben Leistungsfähigkeit zu bringen. Zusätzlich springt der Sportler immer wieder von der Box auf den Boden und wieder hoch. Wieso Spring ich auf eine Box und nicht über eine Hürde? Die Box ist nicht zum Spaß da, ich weiß das überrascht jetzt erstmal. Ein anaerobes Training sollte es auch nicht werden, ein paar gute alte Sprinteinheiten (Intervalltraining) sind hierfür wesentlich besser geeignet. Dafür wird eine super Übung bis hin zu ihrer Unkenntlichkeit entstellt. Box Jumps sind wirklich das Falsche mittel der Wahl für dieses Ziel.  

Einem 60-80 Jährigen ein HIT-Training zu unterziehen sollte jeden dazu veranlassen sofort 110 zu wählen und die Kompetenz des Trainers zu hinterfragen. Sicherlich gibt es Gründe und Anlässe so ein Training mit Leuten in diesem alter zu machen. Nur sind Leute, die die nötige fachliche Kompetenz besitzen um so etwas zu machen nicht in einem herkömmlichen Fitnessstudio zu finden.

Es gibt zig tausend von diesen Übungen und leider genauso viele die sie immer noch anwenden. Jede der Oben erwähnten Übungen habe ich selber gesehen und war wirklich mehr als geschockt über die generelle Reaktion der umstehenden. Gerade beim letzten Beispiel! Es war völlig klar das diese Person davor schon sehr lange kein Sport mehr gemacht hat. Jeder der verletzungsfrei, zielorientiert und noch länger Freude an einem gesunden und vitalen Körper haben möchte, sollte sofort kehrt machen!

Es gibt viele Übungen und es gibt viele Übungen die es aus gutem Grund nicht gibt. Selbst wenn man kein klar definiertes Ziel hat wo es hingehen soll im Training und man nur aus Spaß trainiert. Einige Übungen sind einfach nur gefährlich. Es gibt Übungen die sehr Sportartspezifisch sind und es gibt Übungen die genereller natur sind. Dies und mehr gilt es für einen Trainer zu unterscheiden und sie je nach Trainingsstand und Phase im Trainingsplan zu integrieren oder auch nicht. Functional Training ist mehr als nur irgendwelche Übungen zu machen die auf den Sozailen Median Aufmerksamkeit erregen. Sie dienen in der Regel dazu mehr PS auf das Spielfeld der jeweiligen Sportart zu bringen. Viele Fitnessgurus missverstehen das Konzept der Trainingsspezifität, und das liegt daran, dass sie den Wert der Kraft bzw. des Krafterwerbs für sportliche Leistungen missverstehen. Es gibt genügend Fitnessprofies und Physiotherapeuten, die sportlern z. B. einem Softball-Werfer Übungen verschreiben die absolut sinnfrei sind. Z. B. wird ihm eine einarmige Swing Übung mit gebeugtem Ellbogen und einer 1,5 kg leichten kurzhantel verordnet, die noch dazu in normalem Curl-Tempo ausgeführt werden soll. Das ganze mit dem Argument, dass sich die im Vergleich zum Softball schwerere Kruzhantel positiv auf die Kraft in der Wurfbewegung auswirken würde. In dem Bemühen, ein möglichst sportartspezifisches Maximal- und Schnellkrafttraining zu konzipieren, verrennen sich viele Praktiker so sehr, dass ein Leistungsverbesserung praktisch unmöglich gemacht wird. Man findet sich wieder in einer spirale aus sinnlosen Übungen die eine menge Zeit in anspruch nehmen und am Ende keinen Nutzen haben. Wie viele Sportler kennt ihr die eine Ewigkeit mit Core Training verbringen und am ende doch schwächer sind als die meisten ernsthaft trainierenden Kraftsportler?

Sicherlich ist niemand Fehlerfrei und selbst die besten Trainer machen fehler. Der Umgang mit Fehlern ist entscheidend und natürlich wäre es angebracht sich als Laie auch so zu verhalten. Die nötige Bescheidenheit lässt oft zu wünschen übrig.