Schulter und Schultergürtel

Die Schulter stellt die Verbindung der oberen Extremität mit dem Rest des Körpers her. Sie setzt sich aus mehreren Gelenken zusammen auf die ich später noch eingehen werde.

Das Schultergelenk ist eines der beweglichsten Gelenke im menschlichen Körper und wird über ein komplexes System von unzähligen Muskeln und Bändern in Position gehalten und bewegt. Aufgrund des großen Bewegungsumfanges und der unterschiedlichen Größe von Gelenkpfanne zu Gelenkkopf ist diese Strukturen sehr anfällig für Verletzungen.

Da die Hand auch mit Blut und Nerven versorgt werden will, müssen alle Arterien, Venen und Nervenfasern an diesem Gelenk vorbei geführt werden. Auf Grund dessen kann es zu Schädigungen dieser Versorgungssysteme kommen bei Verletzungen des Gelenks. Diese Verletzungen können sich dann in Taubheit der Finger etc. äußern.

Oft werde ich als Personal Trainer gefragt wieso eine Mobilisation der HWS jetzt sinnvoll sein soll, wenn der Patient Probleme in der Hand hat. Oben habe ich gerade die Antwort geliefert. Aus diesem Grund gehören Anatomische und funktionelle Kenntnisse zur essentiellen Grundlage für die Beurteilung und genaue Lokalisation der schmerzauslösenden Bereiche. Diese Befunde müssen unbedingt und nur durch einen Arzt gestellt werden! Um im Anschluss die geeigneten rehabilitativen Maßnahmen einzuleiten ist es auch für einen Trainer oder Personal Trainer wichtig diese Informationen zu verstehen um sie im später weiterverarbeiten zu können. Diese Verarbeitung resultiert dann in einem gut durchdachten Trainingsplan.  

Anatomie

Knochen

Die Knochen die direkt zum Schultergelenk gezählt werden können sind:

  • Clavicula
  • Scapula
  • Humerus

Allerdings Spielen auch die Rippen und die Brustwirbelsäule eine wichtige Rolle bei der Bewegung im Schultergelenk. Der Humerus ist der Oberarmknochen. Die Clavicula ist ein S-förmiger Knochen, der das Brustbein mit dem Schulterblatt verbindet. In Deutsch wird es auch das Schlüsselbein genannt. Die Scapula, auch Schulterblatt genannt, ist ein platter, dreieckiger Knochen. Um den Ansatz und Ursprung von Muskeln besser verstehen zu können wurden die drei Ränder Margo medialis, superior und lateralis genannt und ihre drei Ecken in Angulus superior, inferior und lateralis unterschieden. Die Scapula besitzt weiterhin eine Vorder- und eine Rückseite.

Wir konzentrieren uns im weiteren verlauf dieses Artikels auf den Angulus lateralis, denn hier  ist das eigentliche Schultergelenk zu finden.

Die daraus entstehenden Gelenke

Durch die einzelnen Knochen die es an der Schulter gibt entstehen gleich mehrere Gelenke. Die Schulternebengelenke wie das Acromioclaviculargelenk (kurz ACG), das Sternoclaviculargelenk und natürlich das, was wir alle unter Schultergelenk kennen, nämlich das Glenohumeralgelenk. Dabei haben sie alle unterschiedliche Funktionen im Körper und beim heben des Arms. Nur durch ein zusammenspiel dieser wird es dir möglich den Arm in alle Richtungen zu drehen und zu wenden. Verletzungen an einem dieser Stellen kann zu erheblichen Einschränkungen führen. Die zu benennen würde allerdings den Rahm dieses Blogbeitrags sprengen, evtl. werde ich auch hierzu noch einen separaten Blogartikel veröffentlichen.

  • Das Acromioclaviculargelenk entsteht durch die Verbindung vom Schlüsselbein (Clavicula) mit dem Schulterblatt. Dieser Ansatzpunkt am Schulterblatt heißt Acromion, daher auch der Name.
  • Das Sternoclaviculargelenk hat somit auch wieder etwas mit dem Schlüsselbein zu tun. Das andere Ende dieses Knochens setzt am Brustbein an.
  • Das Glenohumeralgelenk setzt sich aus dem Schulterblatt (Angulus lateralis) und dem Humeruskopf zusammen. Diese beiden Gelenkpartner sind allerdings unterschiedlich groß – der Humeruskopf ist ca. viermal so groß wie die Gelenkpfanne der Scapula. Aus diesem Grund hat er nur mit 25% seiner Auflagefläche Kontakt mit der Scapula, egal in welcher Position sich der Arm befindet. Daraus resultiert eine große Bewegungsfreiheit, gleichzeitig erhöht sich aber auch die Verletzungsanfälligkeit.

Knorpel

Die Gelenkfläche am Angulus lateralis heißt Glenoid. Am Rand dieses Glenoids befindet sich das Labrum. Es erinnert etwas an den schwarzen Gummiübergang von Fenster zu Fensterrahmen. Obwohl das Labrum im Schultergelenk in seiner Größe von Person zu Person unterschiedlich ist, erhöht es die tiefe des Glenoids von 4,5 mm auf 9 mm in der superior, inferioren Richtung (von oben nach unten) und von 2,5 mm auf 5 mm in der anterior, posterioren Richtung (von vorne nach hinten). Außerdem erhöht das Labrum die Auflagefläche des Humerus um 20% und ist der Ursprung für Sehnen und den langen Bizepskopf.

Muskeln

Aufgrund des schon erwähnten großen Bewegungsausmaßes setzen hier auch besonders viele Muskeln an. Zu diesen zählen: Supraspinatus, infraspinatus, teres minor, teres major, coracobrachialis, rhomboidei, serratus anterior, trapezius (mit all seinen Anteilen), pectoralis major, pectoralis minor, levator scapulae, deltoideus, latissimus dorsi, subclavi, biceps brachii, triceps brachii, subscapularis.

besonders hervorzuheben sind dabei die Muskeln der Rotatorenmanschette. Zu ihnen gehören:

  • Musculus teres minor,
  • Musculus infraspinatus,
  • Musculus supraspinatus
  • Musculus subscapularis.

Diese zentrieren das Schultergelenk von allen seiten (oben, unten, vorne, hinten) und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Stabilität. Fehler in ihrer Arbeitseinteilung wirken sich direkt auf die Gesundheit der Struktur aus, gut bekannt ist hier die Erkrankung mit dem namen Impingement Syndrom. Dazu werde ich noch einen Blogartikel verfassen.

Bänder

Das Gelenk ist eher weniger durch seine Bänder gesichert als durch seine Muskeln. Aus diesem Grund ist die Anzahl der Bänder auch sehr überschaubar. Zu ihnen zählen die sogenannten glenohumeralen Bänder sowie die drei Bänder Ligamentum coracoacromiale, coracohumerale und coracoglenoidale.

Gefäße und Innervation.

Arteriell

A. subclavia: Die sich im weiteren Verlauf weiter auffächert. Diese Abschnitte wurden anders benannt um eine genauere Ortsangabe zu gewährleisten.

Nerven

Plexus Brachialis: Dieser fächert sich auf dem weg zur Hand auch in immer feinere Nervenfasern auf. Die wiederum anders heißen.

Die Schleimbeutel

Zur Schulter gehören zahlreiche Schleimbeutel (Bursae). Sie fungieren als Puffer und Gleitschicht, sodass sich die Muskeln, Sehnen und Knochen der Schulter nicht gegenseitig verschleißen. Sie heißen unter anderem Bursa subacromialis, Bursa subdeltoidea, Bursa subcoracoidea und Bursa subtendinea musculi subscapularis.

Begrenzungen der Fossa axillaris

Die Achselhöhle entsteht durch die Muskeln M. Serratus anterior, M. Coracobrachialis, M. Pectoralis major, M. Latissimus dorsi, M. Teres major und M. Subscapularis.

Muskelschlingen des Schultergürtels

Auf Muskelschlingen wurde lange Zeit keine oder nur wenig Rücksicht genommen. Wenn sie mal einbezogen wurden dann geschah das wahrscheinlich bei einem Besuch eines Osteopathen oder eines Physiotherapeuten der etwas über den Tellerrand hinaus geschaut hatte. In den allgemeinen Fitnessstudios kam dieses wissen vor ein paar Jahren durch die Veröffentlichung eines Buches (Anatomie Trains von Thomas Myers – an dieser Stelle als weitere Lektüre sehr zu empfehlen). Er schilderte Erkenntnisse aus der Wissenschaft, sehr einfach dargestellt, sodass sie die Breite Masse an Fitnesstrainern verstehen konnte. Dies gab dem Funktional Training dann auch zusätzlich einen starken Aufwind. Im Grunde genommen erklärte er wie es zu bestimmten Erkrankungen etc. kommen konnte auf die es bisher keine Erklärung gab oder über die sich gestritten wird/wurde. Der Körper ist ein zusammenhängendes System und sollte so betrachtet werden. Jeder Muskel, Sehne und Knochen steht in Verbindung mit einem anderen. So hat alles Einfluss aufeinander und erklärt z.B. wie es zu Kopfschmerzen kommen kann wenn man Probleme mit dem Fuß hat und vieles mehr.

Als Personal Trainer ist es meine Aufgabe all dies mit ein zu beziehen und in einem ausgewogenen Trainingsplan zu berücksichtigen. Ich hoffe ich konnte dir mit diesem Blogartikel etwas weiter helfen. Trainingsempfehlungen zur Schulterrehabilitation kann ich an dieser stelle leider nicht geben. Wie du sicher bemerkt hast gibt es keine einfache Lösung die für alle gelten kann.